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Angeborene oder Erworbene Immunschwäche

Was ist eine Immunschwäche?

Bei einer Immunschwäche funktioniert das Abwehrsystem eines Menschen nur noch mangelhaft. Die möglichen Ursachen für die Abwehrschwäche sind vielfältig. Es kann sich um eine erworbene oder auch um eine angeborene Störung handeln. Die wohl bekannteste Ursache ist die Viruserkrankung AIDS, es gibt aber noch eine Reihe weiterer, relativ häufig vorkommender Formen von Immunschwäche. Bei jeder Immunschwäche besteht eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber Krankheitserregern. Zur Therapie der Abwehrschwäche müssen in erster Linie Maßnahmen erfolgen, die die jeweilige Ursache bekämpfen. Daher ist eine gründliche Diagnostik zur Ursachenfindung angezeigt.

Ursachen einer Immunschwäche

Eine Schwächung der Immunabwehr kann durch diverse Umstände entstehen. Eine Immunschwäche kann angeboren sein (primärer Immundefekt). Die Störung kann durch bestimmte Gene auf die nächste Generation weitergegeben werden. Es liegt dann eine Beeinträchtigung einer oder mehrerer Komponenten des Immunsystems vor. Beispiele sind ein Antikörpermangel, eine Störung bestimmter Abwehrzellen oder ein kombinierter Immundefekt.

Erworbene Immunschwächekrankheiten, also solche, die erst durch Einwirkungen während des Lebens entstehen, sind ungleich häufiger als angeborene. Eine Immunschwäche findet sich bei der Krankheit AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome), welche durch eine Infektion mit dem Virus HIV entsteht. Eine Abwehrschwäche kann ebenfalls bei Erkrankungen bestehen, die zu einer Beeinträchtigung des blutbildenden Systems im Knochenmark führen. Dazu gehört z. B. die Leukämie. Auch bei anderen Arten von Krebs kann es zu einer Immunschwäche kommen. Des Weiteren kann es bei Mangel an bestimmten lebenswichtigen Stoffen wie Vitaminen oder auch durch eine allgemeine Mangelernährung zu einer Immunschwäche kommen. Auch bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) ist die Abwehr geschwächt.

Schon eine starke Belastung auf den Organismus kann ausreichen, das Immunsystem stark zu beeinträchtigen. Dazu gehören heftige körperliche Anstrengungen gleichermaßen wie seelischer Stress, Mangel an Bewegung, ernste Erkrankungen oder schwere Verletzungen. Ferner können Alkohol-, Nikotin- oder Drogenkonsum das Abwehrsystem erheblich schwächen.

In manchen Fällen wird eine Abwehrschwäche durch Behandlungsmaßnahmen anderer Krankheiten ausgelöst (iatrogene Immunschwäche). Die Immunschwäche muss hier als Nebenwirkung in Kauf genommen werden. Dies betrifft vorrangig die Gabe von Medikamenten wie z. B. Methotrexat, Cyclophosphamid oder Cortison. Einige der Wirkstoffe werden zur Chemotherapie eingesetzt, z. B. bei Krebs. Andere Medikamente unterdrücken das Immunsystem absichtlich (Immunsuppressiva), z. B. nach einer Transplantation oder bei einer Autoimmunerkrankung (Erkrankung, bei der das Abwehrsystem körpereigenes Gewebe angreift). Des Weiteren kann auch eine Bestrahlung zu einer Immunschwäche führen.

Symptome bei einer Immunschwäche

Wenn eine Immunschwäche besteht, kann der Körper sich nicht mehr optimal gegen Krankheitserreger wehren. Von einer Immunschwäche betroffene Kinder werden daher schneller als andere Personen krank. Insbesondere entstehen bei ihnen rasch und häufig Infektionskrankheiten durch Viren, Bakterien, Pilze oder weitere Krankheitskeime. Beispiele sind ständige Erkältungskrankheiten, Mittelohrentzündungen sowie auch Warzen, Herpes und Soor (Infektion mit dem Hefepilz Candida). Immungeschwächte Patienten leiden nicht selten auch an Infektionskrankheiten, bei denen der Erreger ansonsten eigentlich harmlos ist (opportunistische Infektionen, z. B. Pneumocystis-Lungenentzündung oder Toxoplasmose). Typischerweise verzögert sich der Heilungsverlauf. Es kommt oft zu Komplikationen durch die jeweilige Infektion wie z. B. tiefe Abszesse (abgegrenzte Eiterhöhlen), Lungenentzündungen, Nasennebenhöhlenentzündungen, Hirnhautentzündungen oder Knochenmarkentzündungen. Des Weiteren ist das Risiko für Krebs bei einer Abwehrschwäche erhöht, da die Krebszellen schlechter bekämpft werden können. Es kann durch eine Immunschwäche zu einem allgemeinen Krankheitsgefühl, zur Leistungseinschränkung und häufigen Müdigkeit kommen. Viele betroffene Kinder wirken auch von außen dauernd krank. Entwicklungs- und Wachstumsstörungen können sich ergeben.

Diagnose einer Immunschwäche

Auf eine Immunschwäche weisen die ständigen Erkrankungen, die möglichen untypischen Infektionen und die eventuellen Komplikationen bereits hin. Daher ist es für den Kinderarzt wichtig, den Patienten beziehungsweise die Eltern eingehend zu befragen (Anamnese). Der Arzt bringt unter anderem in Erfahrung, wie häufig es zu Infektionskrankheiten kommt und ob bekannte Vorerkrankungen bestehen. Dann erfolgt eine körperliche Untersuchung des Kindes. Wesentlich bei der Bestimmung von Immunschwächeerkrankungen ist die Blutuntersuchung. Gegebenenfalls können dann ganz spezielle Laboruntersuchungen vorgenommen werden. Bei häufigem Schnupfen oder Husten sollte zudem ein Allergietest durchgeführt werden.

Differenzialdiagnose

Im Kindesalter kann es auch ohne eine Abwehrschwäche zu gehäuften Infektionen kommen (physiologische Infektanfälligkeit), so dass eine solche „normale" Episode beim an sich gesunden Kind von einer Immunschwäche unterschieden werden muss. Häufiger Schnupfen oder Husten kann z. B. ebenfalls durch Allergie oder Asthma bedingt sein.

Therapie einer Immunschwäche

Bei einer Immunschwäche richtet sich die spezifische Behandlung nach der Ursache. Zusätzlich sollten Infektionen mit Krankheitserregern verhindert werden. Zu den vorbeugenden Maßnahmen bei einer Immunschwäche gegenüber Infektionskrankheiten gehört das Einhalten einer gewissenhaften Hygiene. Der Betroffene sollte sich regelmäßig die Hände waschen oder desinfizieren, Abstand zu Menschen mit Erkältungen und anderen Infekten halten oder einen Mundschutz aufsetzen. Orte, an denen viele Menschen aufeinander treffen (z. B. in Bussen und Bahnen, bei Massenansammlungen), sollten gemieden werden. Einen besonderen Stellenwert hat ebenfalls der Impfschutz des Patienten gegenüber verschiedenen Infektionen. Besteht ein schwerer Immundefekt, so kann der Arzt bereits vorbeugend Antibiotika und auch Antimykotika (Antipilzmittel) verordnen, um Infektionen von vornherein zu verhindern.

Allgemein sollte im Alltagsleben auf Gesundheitsaspekte Wert gelegt werden. Dazu gehören eine ausgewogene Ernährungslage, ein gesunder Schlaf und das Vermeiden seelischer Belastungen und Stresssituationen. Auf eine ausreichende körperliche Bewegung sollte geachtet werden. Der Patient sollte genügend Flüssigkeit zu sich nehmen.

Eine spezielle Behandlung, die z. B. bei angeborenem Immundefekt angewendet wird, ist die Antikörper-Ersatztherapie. Dabei werden Antikörper (Immunglobuline) über eine Spritze oder eine Infusion verabreicht, um eine ausreichende Immunabwehr zu gewährleisten. In bestimmten Fällen kann eine Transplantation von Stammzellen oder Knochenmark angebracht sein, damit das Kind ein gutes Immunsystem bekommt. Bei weiteren Arten von Immunschwäche können noch andere Therapieformen vorgenommen werden, z. B. die Gabe bestimmter Eiweißstoffe, die dem Immunsystem fehlen.

Ist eine HIV-Infektion (AIDS) die Ursache für die Abwehrschwäche, so erfolgt eine Behandlung im Wesentlichen mit Medikamenten, die gegen die Viren wirksam sind (hochaktive antiretrovirale Therapie, HAART-Therapie). Einen großen Stellenwert besitzt schon die Vorbeugung einer Ansteckung mit HIV, unter anderem durch geschützten Geschlechtsverkehr (Verwendung von Kondomen) und durch Entsorgung von Kanülen nach einmaliger Verwendung.

Prognose bei Immunschwäche

Viele Immunschwächekrankheiten bestehen dauerhaft, andere sind lediglich ein vorübergehendes Phänomen. Die Prognose hängt von der Art und der Schwere des Immundefektes ab. Zu einem Problem wird vor allem die erhöhte Gefahr von Infektionskrankheiten, welche unter Umständen langwierig und schwer verlaufen können. Mitunter können solche Infektionen sogar lebensbedrohlich sein. Die Entstehung von Tumoren wird zudem von der Immunschwäche begünstigt.



Letzte Aktualisierung am 18.11.2009.

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