Bei Verdacht auf eine akute Epiglottitis sollte eine Inspektion des Rachens möglichst vermieden werden, da das Ödem auf der Epiglottis durch äußere Reizung noch weiter zunehmen kann. Haemophilus influenzae B kann unter anderem durch Antigennachweis und Anzucht nachgewiesen werden. Als Untersuchungsmaterialen eignen sich prinzipiell alle entzündlichen Sekrete, zum Beispiel Liquor, Blut, Sputum, Eiter oder Abstriche aus der Bindehaut (Konjunktiva). Zur kulturellen Anzucht wird Kochblutagar verwendet, welches zur Anreicherung mit speziellen Zusätzen versehen wird (wie beispielsweise Hirn-Herz-Bouillon). Beim Wachstum von Haemophilus influenzae zusammen mit Staphylococcus aureus zeigt sich charakteristischerweise das so genannte Ammenphänomen.
Differentialdiagnose
Zum Ausschluss anderer Erkrankungen der Atemwege, wie Bronchitis oder Lungenentzündung (Pneumonie) sollte ein Röntgenbild der Lunge angefertigt werden. Zudem sollte das Vorliegen einer septischen Angina Tonsillaris oder eines retropharyngealen Abszesses ausgeschlossen werden.
Therapie
Bei Verdacht auf eine Haemophilus influenza B Infektion sollte das betroffene Kind schnellstmöglich in die nächstliegende Kinderklinik gebracht werden. Zudem sollte es Sauerstoff erhalten und im Notfall bei akut zunehmender Kehldeckelentzündung intubiert werden. Prinzipiell ist das Bakterium Haemophilus influenzae B empfindlich gegenüber den Antibiotika Aminopenicillin und Cephalosporin. Problematisch ist jedoch auch bei diesem Erreger die zunehmende Resistenzentwicklung, insbesondere gegen so genannte Beta-Laktamasen. Daher muss zur kalkulierten Therapie unter Umständen auf Nicht-Betalaktame oder Beta-Laktam-Antibiotika mit Beta-Laktamase-Inhibitor (beispielsweise Clavulansäure) zurückgegriffen werden.
Impfung
Eine Impfung gegen Haemophilus influenzae Kapseltyp B (HIB) wird seit 1990 von der STIKO für alle Kleinkinder empfohlen. Sie wird in der Regel zusammen mit der ersten und der dritten Kombinationsimpfung gegen Diphtherie, Polio und Tetanus verabreicht. Eine Auffrischungsimpfung wird im Alter von 18 Monaten empfohlen. Nach der Grundimmunisierung ist das Kind dann über mehrere Jahre zuverlässig vor einer Infektion geschützt. Durch die HIB-Impfung konnte die Anzahl der Fälle kindlicher Kehldeckelentzündungen überdeutlich abgesenkt werden. Sie hat so eine Vielzahl von Kindern vor bleibenden Schäden durch diese gefürchtete Erkrankung bewahrt.
Prognose
Bei einer rechtzeitigen Diagnose und Behandlung einer Haemophilus influenzae B Infektion ist die Prognose in der Regel gut. Wird eine komplizierte Infektion mit Haemophilus influenzae B jedoch nicht behandelt, sterben 60 bis 90 Prozent der Erkrankten. Auch bei rechtzeitiger Behandlung mit Antibiotika ist die Todesrate noch sehr hoch. Nach einer überstandenen Hirnhautentzündung kommt es oftmals zu Defektheilungen mit dauerhaften Schäden des Nervensystems wie Hörschäden, Sehstörungen oder geistigen Störungen. Etwa fünf Prozent der Kinder sind nach einer HiB-Hirnhautentzündung körperlich und geistig schwerstbehindert. Weitere Komplikationen einer Infektion können sehr plötzlich einsetzende Kehldeckelentzündungen (Epiglottitis) mit Erstickungsgefahr, Brustfell- oder Gelenkentzündung, Blutvergiftung (Sepsis) und Knochenhautentzündung sein.
Letzte Aktualisierung am 18.11.2009.