Mythos: hochbegabtes Kind

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Hochbegabte Kinder unterscheiden sich kaum von ihren Altersgenossen

Seit rund 15 Jahren führt die Philipps-Universität in Marburg Beratungsgespräche mit Eltern hochbegabter Kinder - oder vermeintlich hochbegabter Kinder. Die begabungsdiagnostische Beratungseinrichtung BRAIN geht hervor aus dem Marburger Hochbegabtenprojekt, einer Langzeitstudie, bei der Forscher seit 1987 den Lebensweg von 150 Hochbegabten begleiten.

Mythos: hochbegabtes Kind
Mythos: hochbegabtes Kind

Eltern lieben hochbegabte Kinder. So scheint es jedenfalls - sonst würden nicht so viele Eltern ihre Sprösslinge zu einem Hochbegabten-Test anmelden. Von Hochbegabung spricht man in der Regel, wenn ein IQ von über 130 vorliegt. Nur rund ein Drittel des getesteten Nachwuchses erweist sich tatsächlich als überdurchschnittlich intelligent. Eltern neigen also dazu, die Intelligenz ihrer Kinder zu überschätzen.

Hartnäckig hält sich der Mythos, Langeweile im Schulunterricht sei ein Zeichen von Hochbegabung. Tatsächlich tritt dieses sogenannte „Underachievement“ seltener auf als angenommen. Langeweile entsteht viel häufiger aufgrund schlechten Unterrichts oder aufgrund von Unverständnis des Unterrichtstoffes. Sehr selten ist sie ein Signal für systematische Unterforderung.

Andererseits müssen aber auch besonders gute Noten kein Zeichen für eine Hochbegabung sein. Auch mit einer durchschnittlichen Begabung kann man es an die Klassenspitze schaffen.

Auch in ihrem Verhalten oder ihrem sozialen Miteinander lassen sich Hochbegabte nur selten von ihren Mitschülern unterscheiden. Sie haben nicht mehr Probleme mit ihren Eltern oder Lehrern als andere Kinder auch. Sie sind psychisch ebenso gesund und neigen nicht häufiger zu Auffälligkeiten als normal begabte Kinder. Falls die Forscher überhaupt Unterschiede verzeichnen konnten, dann waren sie eher positiver Art: Die Hochbegabten verfügten häufig über ein stabileres Selbstbewusstsein und schienen optimistischer als ihre Mitschüler.

Der Anteil der hochbegabten Kinder, die weit hinter ihren intellektuellen Fähigkeiten zurückbleiben und als sogenannte „Minderleister“ auffallen, ist sehr gering. Höchstens 15 Prozent der Hochbegabten, so Schätzungen der Wissenschaftler der Uni Marburg, sind solche „Problemkinder“. Allerdings ist dann meist nicht die Hochbegabung die Ursache - oder zumindest nicht ausschließlich. Häufig führen, wie bei normal begabten Kindern auch, individuelle oder familiäre Probleme zu den schlechten Schulleistungen.

U. Kohaupt Ursula Kohaupt
Gesundheitsredakteurin

aktualisiert am 29.07.2015
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